Istanbul im Schnee

Istanbul war lange Zeit ein sehr beliebter Städtetrip. Auch ich streifte vor ein paar Jahren voller Faszination durch die Straßen der Stadteile Karaköy, Beyoglu und der Altstadt. Durchtanzte halbe Nächte in den Clubs der brodelnden Millionenmetropole, schlürfte Linsensuppe, probierte mich durch unzählige Teller Meze und trank frischgepressten Grantapfelsaft von den Händlern in den Gassen Istanbuls.

Basierend auf den Ereignissen des letzten Jahres, zieht es gerade sehr wenige westliche Touristen nach Istanbul. Anfang des Jahres hatte ich für den 40. Geburtstag meines besten Freundes einen Trip ins anatolische Kappadokien mit mehrtägigen Zwischenstopp in Istanbul geplant. Ganz ehrlich war mir nach dem Anschlag in der Neujahrsnacht im Nachtclub Reina schon sehr mulmig zumute, nur 4 Tage später in die Türkei zu fliegen. Ich entschied mich dennoch dafür.

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Die kappadokische Vulkanlandschaft ist einzigartig und voller Überraschungen, die es zu entdecken gilt. Auch hatte ich das Gefühl, dass es dort eine besondere Energie gibt. Trotz sehr aktiver Tage mit Erkundungen, Wanderungen und natürlich viel leckerem Essen und kappadokischen Wein kam ich mit ungewöhnlich wenig Schlaf aus, hatte dabei strahlende Haut und fühlte mich topfit und sehr glücklich!

Istanbul im Schnee

Ein kleiner Wermutstropfen war lediglich, dass aufgrund ungünstiger Winde, die berühmten Heißluftballons nicht aufsteigen konnten. Auf meine erste Ballonfahrt muss ich wohl noch etwas warten.

Istanbul im Schnee

Das größte Abenteuer sollte uns aber auf dem Rückflug nach Istanbul erwarten: Ein plötzlicher Wintereinbruch mit reichlich Schneefall. Soviel Schnee, dass wir während der 2 stündigen Wartezeit auf dem Weg zu unserem Ankunftsgate frei geschaufelt werden mussten. Die Straßen vom Flughafen in die Innenstadt Istanbuls mit dem Havabus waren glücklicherweise frei. An eine Taxifahrt vom Taksim Platz zur Unterkunft, ist bei den Schneemassen in den hügeligen Seitenstrassen von Cihangir nicht zu denken.

Istanbul im Schnee

Mit letzter Kraft, nach einen bereits 13 Stunden andauernden Reistag, ziehe ich meinen Rollkoffer durch 20 Zentimeter tiefen Neuschnee. Dank heißer Nudelsuppe und einen großen Teller Bulgur mit Ofengemüse später, habe ich wieder genug Energie für einen Mitternachtsspaziergang durchs verschneite Istanbul getankt .

Mitternachtsspaziergang durchs verschneite Karaköy

Ungewöhnlich wenige Menschen sind am späten Abend im Schnee unterwegs. Eine Familie mit mehreren Kindern tollt lachend im Schnee herum. Ansonsten begegnet uns kaum jemand, in der gewöhnlich auch nachts sehr geschäftigen Stadt. Istanbul ist selten still. Die frische Winterluft und die stille Stadt sind genau richtig, die Energiereserven nach einem langen anstrengendem Tag im Flieger aufzuladen.

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Der Schnee liegt hoch und überall hängen sehr dekorative Eiszapfen, die im Licht der Strassenlaternen glitzern. An den Straßenrändern bilden sich bereits erste tiefe Eispfützen, trotz des hohen Schnees liegen die Temperaturen nur um den Gefrierpunkt. Istanbul im Schnee Istanbul im Schnee Istanbul im Schnee Istanbul im SchneeIstanbul im Schnee

Sophia und Ahmed im Schnee

Am nächsten Vormittag schneit es erneut, zeitgleich beginnt es aber auch leicht zu tauen. Istanbul scheint auch während meines Besuches der Hagia Sophia und der Sultan Ahmed Moschee (Blaue Moschee) ungewohnt menschenleer. Ob das nun an der momentanen Lage oder an dem vielen Schnee und Eispfützen liegt, kann ich nicht sagen. Aber ohne Gummistiefel ist es schon sehr wagemutig, sich auf die Straßen zu wagen. Ich versuche meine komplett durchweichten Winterstiefel zu ignorieren, auf die Dauer ohne Erfolg.

Dennoch schaffe ich zumindest einen Besuch der Hagia Sophia, der blauen Moschee und der in unmittelbarer Nähe gelegenen Basilica Zisterne. Der Topkapi-Palast des Sultans muss bis zum nächsten Tag warten.

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Istanbul im Schnee entdecken

  1. Hagia Sophia
  2. Die Blaue Moschee (Sultan Ahmed Moschee)
  3. Topkapi – Palast des Sultan und Harem
  4. Archologisches Museum
  5. Basilica Zisterne

1. Hagia Sophia

Während meines letztens Besuchs konnte ich die Hagia Sophia nicht von innen besuchen und so war sie meine erste Anlaufstelle. Über 1.000 Jahre war es die größte Kathedrale der Welt. Später nach der Eroberung durch die Osmanen wurde sie in eine Moschee und 1935 durch den Republikgründer Atatürck in ein Museum umgewandelt.  Etwas überrascht bin ich als heute wieder der Gebetsgesang aus einem der Minarette ertönt. Offenbar gibt es Pläne der derzeitigen Regierung die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umzuwandeln.

Anstelle des Eintritts von 40 TL erwerbe ich den Istanbul Museum Pass für 85 TL (ca. 22€). Mit dieser Karte kann ich für insgesamt 5 Tage bestimmte Sehenswürdigkeiten wie den Topikapi Palast, den Harem und das archäologische Museum besuchen.

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2. Die Blaue Moschee (Sultan Ahmed Moschee)

Ganz oben auf meiner Liste steht ebenso die blaue Moschee, die durch den verschneiten Park nur 250 Meter Luftlinie direkt gegenüber der Hagia Sophia liegt. Ein paar junge Pärchen posieren für Selfies im Schnee. Ein paar Kinder und Jugendliche bauen einen riesigen Schneemann, wie man sie im verschneiten Istanbul an diesem Tag überall sehen kann. Normalerweise gibt es für die Moschee einen extra Eingang für Touristen, aber auch hier gibt es heute keine Menschenschlangen. Das innere der berühmten blauen Moschee hatte mich bei meinem letzten Besuch mit seiner Schönheit und friedvollen Ruhe bereits sehr beeindruckt. Die Farben ändern sich dabei etwas abhängig vom Licht, dass von draussen hereinfällt.

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3. Topkapi – Palast des Sultan und Harem

Palmen im Schnee. Der Topkapi-Palast überrascht mich. Entgegen eines wesentlichen Palastes besteht dieser aus viele kleinen Gebäuden, die innen teilweise sehr reich mit Fliesen und Gold ausgekleidet sind. Mit einem Audio-Guide für ca. 5€ durchstreife ich den Palast, die Gärten und den Harem mit Blick auf den Bosporus in meinem eigenen Tempo. Über meinem Kopf fliegen laut kreischend grüne Halsbandsittiche. Alte Bekannte, die ich kürzlich überraschenderweise auch schon am Rhein in Mannheim entdeckt hatte.

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Im Harem des Sultan

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4. Archäologisches Museum

Das Museum befindet sich gleich neben dem Sultan Palast, aber schliesst bereits wie auch die Hagia Sophia um 16 Uhr. Es wurde mir sehr empfohlen, aber leider schaffte ich es nach drei Stunden im Palast und dem Harem nicht mehr.

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5. Basilica Zisterne

Im Turkish Airlines Flugmagazin hatte ich von der antiken Zisterne mit dem auf Kopfstehenden Medusa-Kopf gelesen. Der Eingang ist etwas unscheinbar, aber gleich auf der anderen Strassenseite von der Hagia Sophia gelegen. Der Eintrittspreis von 20 TL (ca. 5€)  ist nicht in dem Istanbul Museum Pass enthalten. Übrigens ruderte bereits James Bond in „Liebesgrüße aus Moskau“ durch diesen antiken unterirdischen Wasserspeicher.

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Schlemmen für Veganer

Mein Lieblingslokal zum Frühstücken

Das Journeys in Cihangir ist wie ein Wohnzimmer eingerichtet. Hier fühle ich mich sehr wohl, sodass ich es jeden Morgen für ein ausgedehntes Frühstück ansteuere. Es stehen Bioprodukte sowie eine vegane Frühstücksoption auf der Karte. Alternativ kann man sich auch aus einzelnen Komponenten ein veganes Frühstück zusammenstellen: zum Beispiel türkische Oliven, Hummus, Marmelade, Avocado und dazu Sauerteigbrot. Ein großes Glas frischgepresster Orangen-Grantapfelsaft, ein türkische Cay und Kaffee gehören natürlich dazu.

Was Süßes

Einen Zwischenstop für ein bis zwei süße Backlava Gebäcke und einen Cay (Tee), lege ich wie beim letzten Besuch im Café Karaköy Güllüoğlu ein.

Vegan/Vegetarisch essen

In Cihangir und rund um die Einkaufsstraße Istiklal Caddesi finden sich viele hippe internationale Cafès, die auch veganes Essen anbieten. Ich habe das Zencefil ausprobiert, dass sich unweit des Taksim Platz befindet und in Deutsch Ingwer bedeutet.

Reiseinfos

  • Flug von Berlin mit Turkish Airlines zum europäischen Flughafen Atatürk. Budget-Airlines z. Bsp. Pegasus Airlines fliegen Sabiha Gökce an, den Flughafen auf der asiatischen Seite
  • der Flughafenbus zum/vom Taksim Platz fährt alle 30 Minuten: Havabus für 12 TL
  • Museum Pass Istanbul: 85 TL
  • Istanbul Pass für Straßenbahn/Tunnelbahn: Pfand 10 TL und dann ab 5 TL aufladbar. Eine Fahr kostet ca. 2,60 TL. Lohnt sich sehr, um schnell in die Altstadt zu kommen.
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Trockene Füsse behalten ist das Motto der Tage

Weitere Blogbeiträge für einen Besuch in Istanbul

Istanbul im Schnee

Eine abendliche Fahrt entlang des Bosporus mit einem Stop an der Ortaköy Moschee ist mein Geheimtipp. Es gibt dort zwei dieser freistehenden Brücken. Die Faith Sultan Mehmet Brücke und die erste Bosphorus Brücke (hier im Bild), die Nachts farbig angeleuchtet werden und mich so ein wenig an die Golden Gate Bridge in San Francisco erinnern. Die Bosphorus Brücke wurde übrigens nach den Ereignissen im letzten Sommer in die Brücke der Märtyrer des 15. Juli (15 Temmuz Şehitler Köprüsü) umbenannt.

Hinweis: Für meine Reise in die Türkei habe ich vorab die Seite mit Hinweisen vom Auswärtigen Amt konsultiert. Diese rät derzeit zur Vorsicht und besonderen Wachsamkeit.

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Synke

Ob auf Reisen um die Welt oder in meiner Heimat Berlin - UNTERWEGS bin ich immer mit meiner Kamera.

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