Museum in Eisenhüttenstadt

Eisenhüttenstadt oder auch Hütte wie seine Einwohner es liebevoll nennen. Die erste vollständig aus einem Guss geplante neue Stadt in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Die Stadt in der ich geboren und aufgewachsen bin.

Wenn mich jemand fragt vorher ich komme und ich dann Eisenhüttenstadt sage, haben die meisten Leute erstmal ein großes Fragezeichen im Gesicht. Oder aber Sie sagen: „ja, Eisenach das kenne ich, da in Sachsen.“ Ist mein Gegenüber Fußball Fan, dann hört sich die Antwort eher so an: „Eisenhüttenstadt! Mensch der 1.FC Stahl!“ Alle anderen Kenner kommen entweder aus der Gegend oder sind Geografie oder Architektur Fachmenschen. Oder aber Paul van Dyk Fans, ja das kommt auch schon mal vor.

Vor zwei Jahren entdeckte sogar Tom Hanks „Iron Hut City“ für sich und erzählte in der Light Night Show von David Letterman munter über seinen Besuch. Wer weiß, wenn ich nächstes Mal in Amerika bin, werde ich wohl nicht mehr in fragende Gesichter schauen.

Vor ein paar Wochen war ich wieder einmal in meiner Heimatstadt, die Katze meiner Eltern übers Wochenende versorgen. Ich wollte diese elternlose Zeit nutzen, um endlich mal ein Fotografie Erkundungstour durch die Stadt zu machen. Der Plan war mir die Teile, der in den letzten Jahren Stückweise sanierten Gebäude aus den 50iger und 60igern in Ruhe anzuschauen und zu fotografieren. Aufgrund Ihrer anfangs erwähnten Einzigartigkeit steht die Stadt in wesentlichen Teilen unter Denkmalschutz und die Fassaden wurden sehr schön aufgearbeitet.

Beginnen wollte ich allerdings im Dokumentationszentrum für DDR Alltagskultur. Ebenfalls einzigartig in seiner Art.

DDR Museum in Eisenhüttenstadt

Das Gebäude in dem das Museum beherbergt wird, ist ebenfalls Denkmal geschützt und wurde ursprünglich als Kinderkrippe genutzt.

Museum in Eisenhüttenstadt

Die frühere Nutzung als Kindereinrichtung wurde mir nicht erst im Treppenaufgang ins erste Stockwerk bewusst, dass ein Buntglasfenster mit wunderschön illustrierten Kindermotiven ziert.

Treppenaufgang der ehemaligen Kinderkrippe in Eisenhüttenstadt

Nein, es war mir sofort klar als ich das Gebäude betrat und mir ein aus der Kindheit wohlvertrauter, aber nicht unangenehmer Geruch entgegenschlug. Ich wusste in dem Moment noch nicht, was dieser Geruch war und woher er kam, aber ich kannte ihn und er erinnerte mich an meine Kindergartenzeit.

Besonders intensiv war der Geruch dann in dem ehemaligen Sanitärbereich der Krippe. Am Ende des Museum Besuches kam ich mit der Frau ins Gespräch, die mir mein Ticket verkauft hatte. Sie löste das Rätsel für mich. Sie erklärte mir, dass es sich um den Geruch eines damals sehr gängigen Desinfektionsmittels handelte. Vor allem in Krippen wurde es sehr großzügig in sanitären Bereichen verschüttet, um den Boden zu schrubben und so Keime zu entfernen, die den noch sehr jungen Besuchern (Babies und Kleinkinder) vor Bakterien schützen sollten. Offenbar steckte das Desinfektionsmittel ganz tief in den Gemäuern, was man beim Innenumbau des Museum entdeckte. Sie versicherte mir, morgens sei es besonders intensiv. Ich hatte kein Problem ihr das zu glauben. Spannend was?

Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR

Das Museum selbst besteht aus einer guten Mischung von unterschiedlichen Ausstellungsstücken gepaart mit modernen Touchscreen Lernmodulen und Soundelementen, um alles noch erlebbarer zu gestalten. Es gab auch einige Modele und Informationen zur Planung und Erbauung von Eisenhüttenstadt ab 1950. Details zu den verwendeten architektonischen Baustils und vieles mehr. Das fand ich vor allem sehr spannend, weil ich es ja gleich erkunden und fotografieren sollte und ich vieles einfach nicht wußte. Es öffnete mir aber auch in Vielerlei Hinsicht die Augen. Zum Beispiel hatte Eisenhüttenstadt eine voranginge Position in der Versorgung mit Gütern ebenso wie Berlin.

Ein Erlebnis waren vor allem, aber die Wiederentdeckung viele Spielzeuge oder Alltagsgenstände die man selbst einmal besessen hatte und die längst vergessen waren. Spätestens in der Sonderausstellung „Plaste und Elaste“  (bis 31.12.2013) war die Freude groß, ständig sah ich irgendwas, das ich irgendwie kannte. Sei es von daheim, von Freunden oder den Großeltern.

Irgendwann zog es mich dann aber auch wieder raus, endlich fotografieren und das sonnige Herbstwetter genießen….

Fotogallerie Eisenhüttenstadt

(mit einem Klick aufs Foto, kann eine Slideshow gestartet werden.)

Anfahrt nach Eisenhüttenstadt

Die Stadt liegt 110 km östlich von Berlin, direkt an der polnischen Grenze. Die Bahn fährt von Berlin stündlich in nur 1:20 h direkt nach Eisenhüttenstadt. Alle halbe Stunde mit Umstieg in Frankfurt/Oder.

Meine Fotoroute

Startpunkt war das DDR Museum und Endpunkt die Uferpromenade am Oder-Spree Kanal im 6.WK

  • Erich-Weinert-Allee
  • Friedrich-Engels-Straße
  • Poststraße
  • Heinrich-Heine Allee
  • Maxi-Gorki-Straße
  • Diehloer Straße
  • Am Fließ
  • Straße der Republik
  • Lindenallee
  • Eichendorff Straße
  • Straße der Republik

Hast du schon einmal von Eisenhüttenstadt gehört oder warst sogar dort? Wie waren deine Eindrücke?

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Rohkost Pralinen am Vegan Wednesday
Wirsingkohl Eintopf am Vegan Wednesday

Synke

Ob auf Reisen um die Welt oder in meiner Heimat Berlin - UNTERWEGS bin ich immer mit meiner Kamera.

19 Kommentare

Kommentar schreiben

FEEDBACK