Berlin Leuchtet Konzerthaus Berlin

Diesen Freitag ist es wieder soweit. Berlin leuchtet vom 30. September bis 16. Oktober nachts noch bunter als gewöhnlich. Das Berliner Lichterfest ist mittlerweile schon ein traditionelles Ereignis, dass den Herbst in der Hauptstadt einläutet. Viele berühmte Berliner Bauwerke wie das Brandenburger Tor, der Berliner Dom, der Fernsehturm und das Konzerthaus am Gendarmenmarkt werden von Lichtkünstlern in dieser Zeit zum Leuchten gebracht. Die Liste der illuminierten Gebäude und Sehenswürdigkeiten umfasst in diesem Jahr ca. 70 Gebäude quer über Berlin verteilt.

Etwas Verwirrung stiftete in den letzten Jahren, dass die Berliner Lichterpracht mittlerweile unter zwei verschiedenen Namen organisiert wird. Dahinter stehen die zwei Organisatoren: Berlin leuchtet e.V. und FOL Festival of Lights International Productions GmbH. Zuerst startet „Berlin leuchtet“ am 30. September und „Festival of Lights“ beginnt schliesslich am 7. Oktober 2016. Geendet wird zusammen am 16. Oktober.

Genügend Zeit deine Kamera und dein Stativ zu entstauben und die leuchtenden Straßen Berlins zu erobern. Ich hatten die letzten Jahre mehrmals die Gelegenheit den Fotografen Enrico Verworner während des Lichterfestes zu begleiten und von seiner Erfahrung zu profitieren. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass er sich heute die Zeit nahm für ein Interview! Natürlich habe ich ihn auch nach Fototipps zum Lichterfest gefragt, aber lest selbst.

Berlin leuchtet: 7 Fragen zum Lichterfest

Berlin Leuchtet Konzerthaus Berlin

Wilde Farne am Konzerthaus am Gendarmenmarkt (Foto & Illumination von Enrico Verworner)

1.) Seit wie vielen Jahren fotografierst du das leuchtende Berlin jeden Herbst?

Ich fotografiere das Lichterfest bereits seit 2007. Damals als Auftrag für ein Berliner Onlineportal. Durch die Veröffentlichung der Bilder wurden die Veranstalter des Lichterfestes auf mich aufmerksam und boten mir eine Zusammenarbeit an. Seither bin ich jedes Jahr zu dieser Zeit unterwegs und fotografiere das leuchtende Berlin.

2.) Wieviele Motive konntest du seither fotografieren und wo kann man die sehen?

Die Motive ändern sich jedes Jahr, aber es bleiben natürlich auch Klassiker, die jedes Jahr anders illuminiert werden, wie: das Brandenburger Tor, der Fernsehturm und der Berliner Dom. Gezählt habe ich die Motive nie, aber es sind mehrere Festplatten an Daten.

Eine Auswahl meiner Bilder konnte ich erstmalig 2011 als audiovisuelle Ausstellung präsentieren. Zu dieser Ausstellung namens „Berlin Lights“ gab es einen dazugehörigen Bildband. Dieser Bildband war und ist noch heute sehr gefragt. Der Smiling Berlin Verlag veröffentlicht dazu jedes Jahr einen limitierten „Berlin Lights“-Kunstkalender mit wechselnden Motiven. Es freut mich unheimlich, dass der Kalender ebenfalls so gut ankommt und das motiviert natürlich immer wieder aufs Neue.

3.) Was ist deine Lieblingsillumination und warum?

Das ist schwer zusagen, weil es jedes Jahr neue Illuminationen gibt. Ich liebe die Vielfältigkeit: sei es eine klassische farbige Beleuchtung, 3D-Videomapping, Bildprojektionen oder Lasershows. Es hat alles einen besonderen Reiz.

Allerdings kann ich ,was die Frage angeht, nicht mehr ganz objektiv sein, da ich seit letztem Jahr auch als aktiver Künstler für „Berlin leuchtet e.V.“ in Erscheinung getreten bin. Da ist man natürlich auch auf seine eigene Arbeit stolz.

4.) Was hast du denn bisher illuminiert?

Letztes Jahr war es der Gendarmenmarkt und dieses Jahr wird es auch wieder so sein. Ich habe jeweils unterschiedliche Artworks konzipiert, die auf das Konzerthaus projiziert werden. Gleichzeitig werden der Französische Dom und der Deutsche Dom in die Farben der Motive getaucht, sodass der gesamte Gendarmenmarkt erstrahlt.

Dieses Jahr werden zusätzlich noch 2 Motive von mir auf der Fassade des Berliner Doms zusehen sein. Darauf freue ich mich natürlich sehr und bin gespannt, wie es bei den Besuchern des Lichterfestes ankommt.

Allerdings bin ich als Künstler nur für die gezeigten Motive zuständig. Ohne gute Organisation, den Technikern und vor allem ohne Sponsoren würde es kein Lichterfest geben. Es ist eine große Teamarbeit mit sehr vielen Beteiligten, die jeweils ihre Fähigkeiten einbringen, um den Besuchern des Lichterfestes einen leuchtenden Abend zu bescheren.

5.) Welche drei Foto-Tipps oder -tricks hast du zum Fotografieren der Illuminationen?

  1. Ganz wichtig: ein Stativ. Die Belichtungszeiten für derartige Fotoaufnahmen ist einfach zu lang, um es aus der Hand zu fotografieren. Die Lichtempfindlichkeit erhöhen, um auf eine geringe Belichtungszeit zukommen, bedeutet meist unschönes digitales Rauschen. Also: STATIV!!!
  2. Blaue Stunde“: die Abenddämmerung bietet oftmals eine tolle Alternative zum Tiefschwarz des Nachthimmels. Vom Königsblau bis in die rötlichen Lilatöne kann alles möglich sein. Und bei einer dermaßen übersteigerten Sättigung der Illuminationen bietet sich das natürlich gut an.
  3. Schlechtes Wetter: ist zwar schlecht für die Technik, aber gut fürs Bild. Nässe auf den Straßen oder Plätzen bietet so viele Möglichkeiten für effektvolle Aufnahmen. Entstehende Reflexionen können durch unterschiedliche Perspektiven tolle Ergebnisse erzielen.

6.) Was sind aus deiner Sicht die gängigsten Fehler beim Fotografieren der Illuminationen und wie kann man sie vermeiden?

Naja wirklich Fehler gibt es bei dieser Art der Fotografie nicht. Die Frage ist, was will ich zeigen. Man kann natürlich klassisch fotografieren, da ist dann eine Langzeitbelichtung erforderlich, wozu man ein Stativ benötigt. 

Möchte man etwas experimentell an die Sache gehen, dann ist natürlich alles erlaubt. Sei es mit Tricklinsen oder mit Verschiebung der Brennweite während der Belichtung. Selbst ein Stativ ist beweglich, man kann es bei der Langzeitbelichtung kippen oder drehen. 

Da die Illumination der einzelnen Architekturen an sich schon eine Inszenierung ist, sollte man sich bei jedem einzelnen Motiv einfach inspirieren lassen und probieren.

7.) Welche Illumination darf man sich fotografisch dieses Jahr auf keinen Fall entgehen lassen?

Wäre es vermessen zu sagen, meine Illumination?! (lach) Nein, also ich weiß nicht genau, was jeder einzelne Künstler präsentieren wird. Aber ich bin ein großer Fan der Künstlergruppe Re:sorb, die letztes Jahr die Siegessäule mit einer atemberaubenden 3D-Animation illuminiert haben.

Dieses Jahr werden sie das Brandenburger Tor und am Leipziger Platz eine riesige Fassade bespielen. Mit 40!!! Projektoren wird eine ca. 7 minütige Show zusehen sein, die die Geschichte Berlins zeigt. Aber um ehrlich zu sein, es sind dieses Jahr wieder so viele talentierte Künstler dabei.

Jeder zeigt eine faszinierende Seite seiner Kunst und trägt somit zur Vielfältigkeit dieses Lichterfestes bei. Als Mitglied von „Berlin leuchtet e.V.“ macht es unheimlichen Spaß mit kreativen Kollegen so ein Lichterfest zu planen und als Fotograf und Künstler bin dankbar für jedes leuchtende Motiv was mich dieses Jahr erwartet.

Berlin Leuchtet - Fotograf Enrico Verworner

Interview: Enrico Verworner (Fotograf und aktiver Künstler bei „Berlin leuchtet e.V.“)

Linktipps

Warst du schon einmal während des Berliner Lichterfestes in der Hauptstadt unterwegs? Welches sind deine Highlights oder hast du weitere Tipps? 

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Synke

Ob auf Reisen um die Welt oder in meiner Heimat Berlin - UNTERWEGS bin ich immer mit meiner Kamera.

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